Social Bots einfach erklärt

Social Bots arbeiten unermüdlich und hochmotiviert 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und das ohne Nacht- oder Wochenendzuschlag. Riesige Fabrikhallen mit tausenden Robotern, die im Neonlicht monoton vor ihren Rechnern sitzen und Fake-News in den sozialen Medien verbreiten. Ein ähnliches Symbolfoto taucht in diesen Tagen oft auf im Netz. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, nüchterner, ganz ohne Star Wars Feeling.

Social Bots einfach erklärt

Social Bots sind kleine Computerprogramme, die in sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Co. Nachrichten verbreiten, liken oder teilen. Programmierer haben diese Bots entwickelt, um Aufgaben zu automatisieren, die sonst nur ein Mensch erledigen kann. Vom Prinzip funktionieren Bots so einfach wie der Wecker auf dem Nachttisch: Er klingelt sobald die eingestellte Weckzeit erreicht ist.

Social Bots verbreiten Falschmeldungen, die von Menschenhand geschaffen sind
Social Bots verbreiten Falschmeldungen im Netz, diese sind aber von Menschenhand geschaffen.
Quelle: Tomasz Zajda/Fotolia.com

Die meisten Internetnutzer haben häufig Kontakt mit Bots oder haben sie sogar selbst eingesetzt. „Ich bin im Urlaub bis zum …“, teilt der freundliche Mailroboter mit, nachdem ich in meiner E-Mailsoftware die Abwesenheitsnotiz eingestellt habe. Dieser Service ist ein „guter Bot“.

„Gute“ und „böse“ Bots

Viele Unternehmen, Organisationen, Künstler, Stars und wahrscheinlich auch die Social-Media-Teams einiger Politiker nutzen auf ihren Facebook- und Twitterseiten Bots. Damit können Postings zu einem bestimmten Zeitpunkt veröffentlicht werden. Hashtags (Suchwörter, die mit einem Rautenzeichen beginnen, #SocialBots) werden gefiltert oder auf eine Nachrichten wird mit einer freundlichen Antwort reagiert. Solange diese Bots „Gutes im Sinn“ haben, werden diese Automatismen oft nicht bemerkt.

Doch die gleiche Technik mit ähnlichen Funktionen kann auch eingesetzt werden, um gezielt Falschnachrichten zu verbreiten oder Meinungen zu manipulieren. Dabei sind „böse Bots“ kein neues Phänomen. Jeder, der eine Webseite betreibt, kennt die Spambots, die auf der eigenen Homepage ungewünschte Kommentare oder Werbebotschaften posten.

Wie arbeiten Social Bots?

Social Bots haben verschiedene Funktionen und machen immer genau das, was der Entwickler in den Programmcode geschrieben hat.

  • Zuerst legen Bots Benutzeraccounts mit Phantasienamen bei Facebook, Twitter oder anderen sozialen Medien an. Oft werden dabei auch reale Personenaccounts geklont, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen oder reale Kontaktpersonen dazu zu verleiten, diesen Fake-Accounts zu folgen oder sich mit der gekaperten Person zu „anzufreunden“.
    Facebook und andere Social Media Dienste arbeiten ständig daran, den Anmeldevorgang sicher und für Bots unüberwindbar zu gestalten. Eine Option ist beispielsweise die Eingabe einer Handynummer als Identifikationsmerkmal. Daran können die Bots scheitern.
    So ist ein neuer Geschäftszweig entstanden: Schon für wenige hundert Dollar werden 10.000 Twitteraccounts angeboten.
  • Im nächsten Step postet der Social Bot belanglose Texte und Bilder, damit der Account möglichst echt und glaubhaft wirkt. Außerdem folgt der Fake-Useraccount wahllos oder auch fokussiert auf eine bestimmte Zielgruppe, anderen Usern oder verschickt Freundschaftsanfragen.

Social Bot postet Falschmeldungen

  • Im dritten Schritt postet der Social Bot Falschmeldungen. Diese Postings sollen Meinungen manipulieren und die User zum Teilen der Meldung auffordern. Die Basistexte schreiben jedoch Menschen. Aus mehreren Textbausteinen und einem Bild entsteht so vollautomatisiert ein Beitrag, der eine hohe Verbreitung erreicht. Die Texte sind bewusst so formuliert, dass beim Leser ein Gefühl des „andere Leute warnen müssen“ und „ich weiß was, ich möchte das unbedingt zuerst teilen“ entsteht. Das gleiche Muster ist schon aus HOAX-Meldungen, die über WhatsApp zur Weiterleitung eines Kettenbriefes auffordern, bekannt. Mit einer Ergänzung wie „…Ist heute morgen schon in den Frühnachrichten auf … gelaufen“ erhalten diese Fake-News einen zusätzlichen Vorschuss an Glaubwürdigkeit.
  • Der letzte Schritt ist die Weiterverbreitung der Falschmeldung. Automatisch werden „Likes“ vergeben, Beiträge mit vorgefertigen Texten kommentiert, geteilt bzw. retweetet. Damit erreichen die Bots gleich einen doppelten Effekt: Eine hohe Anzahl an Likes oder die Anzahl, wie häufig ein Beitrag geteilt wurde, schafft zusätzliches Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Andererseits reagieren die Algorithmen bei Facebook, Twitter und Co. auf die hohe Anzahl an Likes, halten diese Nachricht für besonders wichtig und zeigen sie noch häufiger an. Durch gezielten Einsatz von #Hashtags erhält die Nachricht auch in den Twitterstatistiken eine hohe Relevanz und kann so in den Top-Tweets oder Top Hashtags erscheinen.

Fazit: Postings aufmerksam betrachten und Fakten checken

Als Nutzer von sozialen Medien sollte man stets die Augen offen halten und Postings auf Facebook, Twitter & Co. immer aufmerksam betrachten. Wie man Fake News und Social Bots erkennen und damit umgehen kann, erklären wir in unserem nächsten Beitrag.

HOAX: WhatsApp Virus Ute Christoff Kettenbrief

Über WhatsApp wird seit Anfang Januar 2017 ein Kettenbrief verschickt, der vor einem angeblichen WhatsApp Virus warnt. Das Virus soll von einer Frau namens Ute Christoff verschickt werden und könnte die „ganze Festplatte“ zerstören oder sich „Daten runterziehen“. Außerdem könnten Hacker über die Mobilfunkrufnummer 0171962XXXX anrufen – es wird davor gewarnt, Anrufe von dieser Rufnummer anzunehmen.

Bei diesem Kettenbrief handelt es sich um eine bekannte HOAX-Meldung, die nur dazu dient User von WhatsApp zu verunsichern.

WhatsApp Virus Ute Christoff
Bei der WhatsApp Viruswarnung vor Ute Christoff handelt es sich um eine HOAX-Meldung.
Quelle: Screenshot

 

 

  • Weder eine WhatsApp Nachricht noch die Aufnahme eines Kontaktes in das eigene Adressbuch können einen Virus auf das Smartphone einschleusen.
  • Auch durch die Annahme eines Anrufes kann kein Virus installiert werden.

    Wichtig: Durch das Öffnen eines virenverseuchten Anhangs oder die Installation einer App mit schädlichlichem Inhalt kann es allerdings gefährlich werden.

Tipps zur Erkennung von HOAX-Nachrichten:

Geben Sie einen Teil der Nachricht, z. B. „WhatsApp Virus Ute Christoff“ bei Google oder einer anderen Suchmaschine ein. Oft stellt sich dann schnell heraus, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Eine Suche nach „Ute Christoff HOAX“ würde wahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis liefern.

Warum diese HOAX-Nachricht dennoch nachdenklich stimmen sollte:
Sobald Nachrichten von Freunden oder Bekannten stammen, werden diese häufig ungeprüft an die eigenen Kontakte weitergeleitet. „Sag mal bitte allen Leuten in deiner Liste…“ liefert eine direkte Handlungsaufforderung dazu. „Es ist heute morgen auch von EUROP1 und SAT1“ bestätigt worden, verleiht der Nachricht einen zusätzlichen Vorsprung an Glaubwürdigkeit.

Deshalb: Immer kritisch bleiben, keine unbekannten Anhänge öffnen oder leichtfertig auf Links klicken. Dahinter könnte sich ein „echter“ Virus verbergen.